
Glücksgefühl, das sich einstellt, wenn man fühlt, dass man etwas zu sagen hat, auch wenn man nicht weiß, wie man es herausbringen soll. Andersherum: Man will etwas herausbringen, egal was es auch sei, aber es gibt nichts, das antwortet aus dem Inneren; das ist dann nicht ein Glücksgefühl, das sich einstellt.
Eine neue Erzählung.
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The attributes it claims are all but convincing: „I am a mill.“ – „I am the star of all mills.“ – „I am a pub.“ Just compare the width of its front-door stairs to its roof!
The neighbours were very kind when they diverted the water from dripping down on the roofless watering hole.
But where does the upper door lead to? And isn´t that hid-away door in the shade of THAT stairs the MAIN one?
Oh. We all need a beer!
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Über die Lunatics aus Berlin waren die Nachrichten in letzter Zeit eher besorgniserregend gewesen: Man hörte von immer unregelmäßigeren Proben, die Stimmung zwischen den Band-Mitgliedern sei sehr unausgeglichen, was noch harmlos ausgedrückt ist. Der unfaire Rausschmiss aus dem Song-Contest vor einem Jahr hatte die Band anscheinend aus der Bahn geworfen, und lange Zeit schien nichts darauf hinzudeuten, wie die Musiker aus dieser verfahrenen Situation wieder herausfinden könnten. Dann kam auch noch die Nachricht, dass einer der beiden Sänger und Lead-Gitarrist nicht mehr mitmachen würde. Mindestens genauso unverhofft und plötzlich kam dann aber sofort eine musikalische Antwort, die sich sehen – und hören lassen kann: Ein neuer Song, aufgenommen zu dritt, der dermaßen frisch, transparent klingt und einfach so viel in sich vereint, dass man als Zuhörer, der ihn sich wieder und wieder anhören muss, fast versucht ist zu sagen: So konzentriert haben die lunatics eigentlich noch nie gespielt!
Disguise ist wie das statement eines Neuanfangs. Deshalb lasse ich hier alles Frühere jetzt auch weg und konzentriere mich auf das, was ich tun möchte: Nur diesen Song beschreiben.
Disguise beginnt mit einem Klaviermuster, das unvermittelt eine rastlose Bewegung anstimmt. Diese knappe zweiteilige, aus Frage und Antwort bestehende Klavierfigur ist eingängig und rhythmisch drängend, aber zugleich beunruhigend dadurch, dass sie für den Hörer nicht eindeutig zu entziffern ist, als ob sie sich irgendwie selbst ein Bein stellte. Jedenfalls ist sie die Mikrozelle des ganzen, übrigens nicht sehr langen, sehr kompakten Songs.
Der Song hat drei Teile, die ungleich lang sind.
Phase Eins: Die Stimme hat am Anfang etwas Halliges, wie aus dem Kaugummiautomaten, ziemlich sachlich. Der Song läuft gleich ab.
Bei 1:39 kippt die Stimme nach oben, jetzt beginnt die Phase Zwei. Der Übergang ist etwas überlappend, der Hörer kommt gar nicht mit, so plötzlich und schnell geht das alles. Und doch läuft alles wie am Schnürchen, als könnte es gar nicht anders sein, das macht das Ganze von Anfang an so zwingend.Dieser Teil besteht nur aus dem Refrain „And I know I´m a fool in your eyes, a looser-in-disguise“, der ein einziges Mal wiederholt wird, und anstatt jetzt das neue Material auszubreiten, kommt gleich der nächste Schnitt. Diese Art von Verknappung wird später noch einmal angewandt, sie ist es, die im Hörer Überraschung und Atemlosigkeit hervorruft.
Bei 1:57 beginnt ein kurzes Zwischenspiel, eine kurze Pause: „Wie soll es jetzt weitergehen?“ … keine vocals, ein 3-gegen-2-punktiertes, ungeduldiges Auf-der-Stelle-Stehen des Basses.
Dieses Zwischenspiel mündet bei 2:12 scheinbar in eine Coda. Mit „And I know I´m a fool in your eyes“ scheint das Ich eine resignierende Bilanz zu ziehen, der Song ist wohl gleich zu Ende… Die Bewegung hält nun beinahe ganz ein. Nur das Klavier verfolgt die Stimme und macht ein ganz eigenes kurzes, sehr jazziges Statement. Die Stimme ist jetzt ganz anders als am Anfang, jetzt ist sie klar, warm, geläutert, sehr persönlich (Gegenteil vom Megaphonklang am Anfang). Bei 2:29 setzt der Bass wie zu einer Abschlussformel an. Aber für ihn ist noch lange nicht Schluss. Man sieht förmlich den Bassisten die anderen Musiker fragen: „Machen wir jetzt Schluss oder fangen wir erst richtig an?“
Das Klavier zögert mit der Antwort keine Sekunde und eröffnet mit dem Rückgriff auf das Klaviermotiv vom Anfang, das jetzt aber vereinfacht erscheint, Phase Drei. Als hätte es genau auf diese Frage gewartet, lässt es komplett unangekündigt bei: 2:31 den ganzen Song kippen. Der stürzt jetzt – kontrolliert – nach vorn und nimmt den früheren Drive wieder auf, aber diesmal mit strahlender, positiver Kraft. Und nun passiert das, was ich bereits früher meinte mit „Verknappung des Materials“: In einem gängigen Pop-Song würde die Phrase „I don´t know what I´ve been dreaming“ mindestens einmal wiederholt, hier aber hat der Hörer gar keine Zeit, sich in den neuen Sound des kurzen melancholischen Traums überhaupt einzuhören, da kippt der Song weiter in unerahnte Gefilde. Der Boden unter dem Traum wird einfach ausgetauscht. Der große Moment passiert bei 2:48: Der Grundton der Molltonart wird jetzt zur Terz der neuen Durtonart, die jetzt strahlt wie eine vor sechs Uhr morgens aufgehende Sommersonne nach kurzer Nacht. „I don´t know what I´ve been dreaming“. Es ist der Moment der Befreiung von dem Vorwurf, ein Looser zu sein. Lösung: Es war nur ein Traum, und den schüttele ich ab mit der Kraft, die mir 2:48 genial zufliegt und die ich doch nur in mir selber finden kann! Es geht jetzt nur noch ab. Bei 3:21 noch einmal eine chorische Überhöhung: Die Steigerung geht noch einmal weiter, ohne aber zu dick aufzutragen. Das Schlagzeug ist wie ein eingesperrter Panther, der wütend ist, dass er nicht singen darf. Der Bass hält alles im Zaum. Überhaupt, das Schlagzeug! Am Anfang finde ich, es tut etwas zu viel, ist übereifrig, weniger wäre mehr! Aber bald verstehe ich, hier steckt eine unbändige Kraft, die zurückgehalten wird, die sich nicht genug auslassen kann, und die dem Song in jeder Mikrosekunde rhythmische Power untermischt, ihn pausenlos nach vorn treibt. Wie der von Rilke in seinem unsterblichen Gedicht beschriebene Panther, dessen geschmeidige Kraft noch durch die Gitterstäbe seines Käfigs hervorblitzt:
Rainer Maria Rilke: Der Panther Im Jardin des Plantes, Paris Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält. Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt. Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, der sich im allerkleinsten Kreise dreht, ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, in der betäubt ein großer Wille steht. Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein, geht durch der Glieder angespannte Stille - und hört im Herzen auf zu sein.
Lunatics, meine Bitte an euch ist ganz einfach: Bitte lasst den Moment 2:48 nie zu Ende gehen!
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Dislexia oder: Nietzsches zerquetschte Niere.
Filmtitel (optional): Dem Nietzsche die Niere zerquetschte.
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Zu einer Geburtstagsparty am Samstag wünscht sich die Gastgeberin ausdrücklich keine Geschenke, schließlich habe sie schon alles. Stattdessen bittet sie ihre Gäste, sich am Eingang einer geheimen Bar am Nollendorfplatz mit einem Porträt von sich im DIN-A4format auszuweisen und darauf ihr Lebensmotto zu schreiben. Da ich keins habe, fange ich beim Yoga zwei Tage vor der Party damit an, mir eins auszudenken, das sich in eine kurze pointierte Sprachform gießen lässt. Ich finde schnell ein Thema aus der Yogastunde heraus und bewege es dann vielleicht fünfzehn Minuten im Kopf hin und her, um es spruchreif zu machen. Schließlich gebe ich es zum Stuhlgang frei: „Flexibilität über Kraft – Gestrecktes über Saft“. Als wir nach sechzig Minuten Meditieren die Augen in Richtung Hasenheide öffnen dürfen, erblicke ich als erstes einen Fuchs, der im Unterholz hin- und herläuft, auf die eigenwillige, tänzelnd schwebende Art, die den Füchsen eigen ist.
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winter still. still winter
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26.1. – Der Yogaraum geht auf die Hasenheide. Die ganze Wand aus Glas, ein Park als Film im Kino. Die Zuschauer machen Yogaverrenkungen jeden Sonntag. (Früher gingen sie in die Kirche und machten einen Anderen nach…) Wir hören dem Meister zu und lassen unseren Körper das Gehörte ausführen, nach oben, unten, den geflickten Affen, den abwärtsschauenden Hund, manchmal die Taube, eine Dehnung, die ich früher fürchtete, heute herbeiwünsche, oder die Krähe. “Spüre, welche Teile deiner Körper den Boden berührt, und welche Teile deiner Körper berührt den Boden nicht”, lautet immer wieder eine Anweisung des Meisters, der mittlerweile gut Deutsch spricht, so gut, dass es Spaß macht, über die Logik seiner Fehler nachzudenken, sofern man beim Verrenken dazu Muße findet, wie ich. – Beim vorletzten Mal zeigte sich im Dickicht der Hasenheide vor uns ein Fuchs. Stolz hüpfte er durch das im Januar gelüftete Unterholz, suchte etwas zu erspüren, bemerkte uns jedoch nicht. Uns, das waren etwa fünfzig synchronisierte Sportliche, die sich von ihrem regelmäßigen Einfinden in jenem Raum mehr versprechen als eine leichte Überdehnung möglichst vieler im Alltag unbeanspruchter Sehnen und Muskelpartien. Ein bisschen mehr, das aber das Entscheidende ist. Der Fuchs verlief sich aus unseren Augen im Park, aber bald war er wieder da und blieb bis zum Ende der Stunde. Er war beschäftigt, nicht gestresst, ich aber konnte nicht herausfinden, was es war, das ihn unterhielt. Uns, wie gesagt, bemerkte er nicht. – Heute wieder im Club. Hasenheidekino. Ein dunkelhäutiger und schwarzgekleideter Mensch wird im schattigen Unterholz erkennbar. Mit seinen Bewegungen hebt er sich von der Winterschraffur ab. Ich adaptiere. Er hat wohl eine kleine Hacke in der Hand, mit der er, tief nach unten gebeugt, etwas verbuddelt oder etwas unterm Wühlen zu finden sucht. Auch er geht und kommt wieder. Verbuddelt wieder etwas. Ich könnte nachher in den Park gehen und versuchen, die Stelle zu finden. Drogenfundstelle. Er ist zielgerichteter als der Fuchs. Aber bemerken tut auch er nicht die fünfzig Augenpaare, die auf ihn gerichtet sind. Er könnte sie sich verrenken sehen, kaum zehn Meter von ihm entfernt, in dem erleuchteten Raum, der für ihn wie ein ausgeleuchteter Kaninchenstall scheinen müsste. (Beim Fuchs haben sie alle um mich herum geraunt: “Ein Fuchs!” – Heute, beim Drogendealer, bleibt es mucksmäuschenstill.)
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I crisscross walked the streets of Leipzig today, with no reason, as I found upon all the sights of the day. I had barely managed not to slip on the icy roads and sidewalks. I only rode the S-Bahn one station before I left again, thus managing the conductor could not catch me. I had a mini lunch only because I needed to enter an inn for peeing. Drinking Saxon beer and listening to Saxon accent. Getting on with my crisscrossing. Almost there. A naked road, at the edge of town, where a disastrous scenery of people and items of misery suddenly unfolds. No. 10. A name plate, but no door bell. If there would have been one, I would have reeled back onto the street.

winter. still.
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Berlin has always been living and dying at once, since it was brought into being.
Suffering and joycing, as might be said.
Playing and misfitting.
Being understood and misunderstood.
